Hirnforschung im Feuilleton

Können wir unser Denken im Alter verbessern? Können wir unsere Erinnerung schulen? Können Gedanken das Gehirn umbauen? Was geschieht bei der Meditation im Kopf? Kann Erziehung das Hirn konstruieren? Können wir Kindern bei der Entwicklung ihres Denkapparats neurodidaktisch helfen? Macht Denken glücklich, und wenn ja, wie müsste man denken, um es zu werden?

Diesen Fragen will die FAZ demnächst auf den Grund gehen. Aber nicht im Wissenschaftsteil, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern im Feuilleton. Hirnforscher begleiten mittlerweile in starkem Masse kulturelle Debatten, die vormals Künstlern, Philosophen oder Geisteswissenschaftlern vorbehalten waren. Das kann der Wahrheitsfindung nur gut tun, finde ich, wenn Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven auf die gleiche Sache schauen und sich über ihre jeweilige Sicht austauschen (musste sofort an die Parabel von den Blinden und dem Elefanten denken).

Und warum nicht noch einen Schritt weiterdenken: warum sind Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft, etc. überhaupt so säuberlich getrennt? Werden dadurch nicht eher Zusammenhänge zerschnitten als Übersicht geschaffen? Hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, ob man eine Zeitung nicht auch völlig anders gliedern könnte?

4 Antworten zu “Hirnforschung im Feuilleton”

  1. Jörg Friedrich sagt:

    Ich glaube kaum, dass es der gesellschftlichen Debatte gut tun würde, wenn Naturwissenschaftler nun auch noch die deutungshoheit über unseren Geist bekämen - und diese Gefahr ist ja nicht an den Haaren herbeigezogen. Allerdings sehe ich die FAZ-Serie gerade nicht als eine über Hirnforschung - sie nimmt deren Resultate zwar zur Kenntnis, nähert sich dem Problem aber eher kulturell.

  2. Fragezeichner sagt:

    Es geht ja nicht darum, die Deutungshoheit neu zu vergeben, sondern eher, wissenschaftliche Erkenntnisse in den kulturellen Dialog einzubinden. Insofern finde ich das Vorhaben bemerkenswert.
    In dem ersten Beitrag heute hat sich eine Hirnforscherin übrigens davor gewarnt, aus jedem wissenschaftlichen Teilergebnis gleich irgendwelche Handlungsimperative abzuleiten. Aber ja, die Gefahr, dass Diskussionen mit Hinweisen auf die letzten Forschungsergebnisse abgewürgt werden, mag durchaus bestehen.

  3. Jörg Friedrich sagt:

    Ich denke, die Diskussionen über unsere kulturelle, soziale und gesellschaftliche Praxis sind ohnehin schon sehr naturwissenschaftlich geprägt. Da kann ein Mehr nur schaden.

    Dass zB Musizieren und Lernen von Gedichten die Denkfähigkeit des Menschen erhöht, hat man schon viel früher und ganz ohne Wissenschaft gewusst. Die wissenschaftliche Pädagogik hat uns das erst ausgeredet. Und nun kommt die Hirnforschung und sagt: Schaut mal, was wir rausgefunden haben, wer hätte das gedacht!

  4. Fragezeichner sagt:

    Jörg, ich gebe dir ja in gewisser Weise Recht. Trotzdem sehe ich nicht, warum ein Dialog zwischen Wissenschaftlern und Philosophen/Pädagogen/Künstlern etc. im Feuilleton schaden sollte. Warum sollte eine Diskussion fruchtbarer sein, wenn man eine Gruppe von Leuten ausschliesst? Ich glaube, es tut allen Seiten gut, sich auf andere Perspektiven einzustellen und mit anderen Ansichten zu konfrontieren.

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