Ich weiss auch nicht, warum ich Harry-Potter-Bände verschlinge. Danach fühle ich mich jedesmal, als hätte ich eine zu grosse Tüte Gummibärchen gegessen. Man isst sie zu schnell, sie sind zu süss, man fühlt sich danach nicht besonders und hat einen Heisshunger auf etwas Herzhaftes. Dieses Mal hatte ich für einen kurzen Moment den Eindruck, eine grosse Parabel auf das Silicon Valley gelesen zu haben. Ich versuche den Moment einzufangen:
Könnte es sein, dass Albert Dumbledore mit seiner Geheimniskrämerei, Arroganz, Verschlossenheit und seinem Glauben an die eigene Unentbehrlichkeit das archetypische Unternehmen des 20. Jahrhunderts darstellen soll? Sagen wir, Sun?
Ist Lord Voldemort eine Anspielung auf Steve Ballmer? Gleiche Schule wie Dumbledore, nur in böse?
Ist Harry Potter dann der Gegenentwurf – das Web 2.0-Startup, Repräsentant des Mitmach-Netzes, das sich das Einbeziehen von Meinungen, Delegieren und Outsourcen, sowie offene Kommunikation auf die Fahnen geschrieben hat? Sagen wir, Facebook?
Sind Ron und Hermine die User, die mittels Kommentarfunktion ihre ungefilterte partielle Wahrheit mitteilen, sich ohne Gegenleistung für ihren Harry aufopfern, ihn zurechtweisen, anpingen und wenn es sein muss, ihm tapfer zur Seite springen? Also, Facebook-User?
Und Snape, diese einzig tragische Person in der ganzen Serie, der Gutes tut, aber so tun muss, als sei er böse, von den Guten gehasst wird und vom Bösen getötet, ohne dass das Böse jemals merkt, dass er eigentlich Gutes tut – das kann eigentlich nur Google sein, oder?
Und in den Nebenrollen: der träge Riese Hagrid (Yahoo?) und das Schlossgespenst Der Fast Kopflose Nick (IBM?)
Wenn aber Facebook mithilfe seiner User Sun gegen Microsoft rächt und Google dabei auf der Strecke bleibt, was macht dann Apple? Gibt es ein Happy-End?
Wie gesagt, es war ein kurzer Moment. Ich habe jetzt Heisshunger auf etwas Herzhaftes.
Verlieren wir das Menschliche, wenn wir Teile von Maschinen in uns tragen? Was ist eigentlich das Menschliche?
Was unterscheidet den Menschen von einer Maschine?
Warum können Menschen Computer bauen? Warum können Computer keine Menschen bauen? Warum gibt es Menschen, die es erstrebenswert finden, Eigenschaften eines Computers zu besitzen?
Ist es aus system-architektonischer Sicht überhaupt intelligent zu implantieren, also ein integriertes System zu bauen anstatt ein modulares? Sind die möglichen Vorteile, die Technik im Körper zu tragen überhaupt offensichtlich? Sind die heutigen Schnittstellen nicht ausreichend?
Welche positive Vision verbindet sich mit einem integrierten Mensch-Maschine-System?
Und: reduzieren sich die meisten Fragen nicht auf eine einzige: was ist der Sinn des menschlichen Lebens?
Einen Politiker, der sich an Umfragen orientiert, schimpft man gerne mal als einen, der dem Stimmvieh nachrennt und keine eigenen Vorstellungen und Werte entwickelt. Stichwort: Umfragedemokratie.
Einem Politiker, der seine Vorstellungen und Werte in Politik umsetzen will, hält man vor, er lebe in seiner eigenen Welt und sei vom Volk entfernt.
Was hielte man von einem Politiker, der im Wahlkampf seine Vorstellungen und Werte vertritt, und später jedes wichtige Gesetzesvorhaben einem Volksentscheid aussetzte? Würde man dem nicht Feigheit, politische Dummheit oder Mangel an Selbstvertrauen vorwerfen?
Bei einem älteren Post bin ich auf eine Studie gestossen, die herausgefunden hat, dass Placebos langfristig unwirksam sind und lediglich bei Schmerzen und Phobien einen messbaren Effekt haben (was ja schon mal gar nicht schlecht ist). Jetzt bin ich verwirrt. Die Gegner der Homöpathie führen ja immer an, dass die Heilungseffekte der Homöopathie (nicht nur bei Schmerzen und Phobien) lediglich auf dem Placebo-Effekt basieren, bestreiten aber nicht die Heilungseffekte selbst. Wenn jetzt aber Placebos garkeineHeilungseffekte haben, wo kommen dann die der Homöopathie her? Kann jemand das Rätsel lösen?
Für alle, die nach stundenlangemBetrachtenderTänzerin immer noch an zwei Gehirnhälften glauben: Wer die Maus am Computer fortan mit seiner anderen Hand bedient, tut seinem Gehirn etwas Gutes und fördert die Vernetzung von linker und rechter Gehirnhälfte.
Wie lange dauert es, bis der Intelligenz-Zuwachs den Produktivitätsverlust wettgemacht hat?
Beim Betrachten eines schwitzenden Drei-Zentner-Menschens, der sich spürbar anstrengen musste, um seinen massigen Körper vorwärts zu bewegen, kam mir diese Frage in den Sinn: wer täglich soviel Gewicht mit sich herumschleppen muss, der muss doch eigentlich auch Unmengen an Kalorien verbrennen? Wieso nimmt er nicht unter seiner eigenen Last dutzende von Kilogramm ab? Warum pendelt sich das Gewicht nicht dort ein, wo sich Kalorienbedarf und -verbrennung neutralisieren?
Ich habe schon mehrfach gehört, dass Wespen im Herbst aggressiver sind, weil sie ohnehin bald sterben müssen.
Wenn das so ist und sie wissen, dass sie sterben müssen: sind sie dann aggressiver, weil sie über ihren bevorstehenden Tod frustriert sind? Oder weil sie nichts mehr zu verlieren haben und jetzt ihrer im Sommer (aus Gründen der Vernunft?) zurückgehaltenen Aggressivität freien Lauf lassen können?
Können Wespen also frustriert oder vernünftig sein?
Qualität natürlich! Oder? Stellen wir uns vor, die Erde wird von einem Meteoriten getroffen und unsere Zivilisation völlig zerstört.
Szenario: 100000 beliebige Menschen überleben.
Szenario: 10000 ausgewählte Menschen überleben, alle die jeweils besten ihres Gebiets.
Wer würde die Zivilisation schneller wieder aufbauen – die wenigen Spezialisten oder die vielen Otto Normalverbraucher? Ist also Qualität oder Quantität entscheidend?
Hat die kleine Gruppe der Spezialisten einen Startvorteil, weil sie durch ihr Wissen schneller in der Lage sein könnte, die neue Welt bewohnbar zu machen? Können sie von ihrem Wissen direkt profitieren und Lösungen finden, die bereits die Überlebenschancen der nächsten Generation erheblich verbessern? Können sie durch pädagogisches Wissen die nächste Generation vor entscheidenden Fehlern bewahren?
Oder hat die grosse Gruppe der Durchschnittsmenschen einen Startvorteil, weil einfach mehr Menschen durchkommen werden und Nachkommen zeugen, die mit grösserer Wahrscheinlichkeit an die neue Umgebung angepasst sein werden? Können die Spezialisten ihr Wissen überhaupt in die nächste Generation retten? Ist ihr Wissen von praktischer Bedeutung? Entsteht in der grossen Gruppe nicht eine grössere Vielfalt, die durch stärkere soziale Interaktion auch zu mehr Ideen führt, die dann ihrerseits durch die Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten auch zu mehr Kreativität und besseren Lösungen führt?
Ist Googles Firmenphilosophie – nichts löschen, alle Informationen zugänglich machen – nicht die digitale Entsprechung der Krankheit, die alte Menschen ihre Dosen, Zeitungen und Schachteln stapeln lässt und in denen man sie dann halbverwest sechs Wochen nach ihrem Tod findet, weil der Hund des Nachbarn etwas gerochen hat?
Wenn ja, wer wird dann der Hund sein? Und: riecht schon jemand etwas?
Was käme dabei heraus, wenn man die Fragen aus dem FAZ-Fragebogen (den Proust 2x beantwortet haben soll) einfach mal auf den Kopf stellt?
- Wo möchten Sie nicht leben ?
- Welche Fehler entschuldigen Sie auf keinen Fall?
- Ihre unangenehmsten Romanhelden?
- Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am wenigsten?
- Wer oder was hätten Sie nicht sein mögen ?
Sind die Antworten dann genauso aussagekräftig wie die ursprünglichen? Erfährt man über einen Menschen mehr, wenn man ihn nach seinen Vorlieben fragt, als nach dem, was er ablehnt?
Ich habe etwa 75 RSS-Feeds abonniert (Kinderteller, Robert Scoble hat über 800!) und bin täglich mit schätzungsweise etwa 300 Posts konfrontiert, die ich mit Google Reader zweimal am Tag durchblättere. Dabei werfe ich einen schnellen Blick auf die Überschrift und ein mögliches Bild und öffne diejenigen in einem neuen Browser-Tab, die ich wirklich lesen möchte (dann bleiben vielleicht 20-30 übrig).
Welche Veränderungen bewirkt diese Tätigkeit in meinem Gehirn? Lerne ich dadurch Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen? Kann ich mehr Informationen aufnehmen als nicht-trainierte Menschen? Gilt dies auch ausserhalb des Internet-Kontexts (z.B. bei der Beurteilung von Menschen oder Situationen)?
Oder gibt es auch negative Effekte? Welcher Art könnten die sein? Könnte ich mich dabei zu einem Menschen entwicklen, der Information überbewertet? Der schwieriger Entscheidungen treffen kann? Der verlernt, sich einer Sache intensiv und mit Hingabe zu widmen?
Als beste Strategie, um auf seinen Blog aufmerksam zu machen, gilt das Setzen von Trackbacks und das Kommentieren von Artikeln anderer Blogs (und das damit verbundene Verlinken auf den eigenen Blog). Ein anderes Blog ist damit gleichzeitig Werbeplatform und Konkurrenz im Kampf um Aufmerksamkeit. Das führt dazu, dass ein grosser Teil von Kommentaren in Blogs – gerade bei bekannten Blogs – von anderen Bloggern gemacht werden.
Würden diese Blogger Artikel auch kommentieren, wenn sie nicht wüssten, dass sie damit ein paar Leser abgreifen können? Würden sie andere Blogs überhaupt lesen? Wie gross ist überhaupt der Anteil von Lesern, die nicht Teil der Blogosphäre sind?
Wenn die Vermutung zuträfe, dass Blogger sich zwar gegenseitig Aufmerksamkeit verschaffen, es ihnen aber nicht gelingt, andere Leserschichten ausserhalb der Blogosphäre zu erschliessen, befänden wir uns dann nicht in einer Blase? Gibt es eine Analogie mit dem Internet-Boom in den 90ern, als werbefinanzierte Startups Geld in Werbung investierten, die anderen werbefinanzierten Startups ihren Werbeetat finanzierten – mit dem Unterschied, dass die Währung Aufmerksamkeit heisst? Könnten erfolglose oder enttäuschte Blogger, die sich vom Bloggen wieder abwenden, eine Abwärtsspirale auslösen? Sind die rückgängigen Verlinkungen und das Dämmern des Blogblues Indiz für das baldige Platzen der Bloggerblase?
Kann es sein, dass es uns allen lieber wäre, die kleine Maddy wäre von ihren Eltern getötet worden als von unbekannten Entführern? Würde dies den Schrecken mindern? Oder die Tragik der Eltern? Linderte das die generelle Angst von Eltern, dass ihrem Kind etwas passieren könnte? Ist es erträglicher, die Eltern des Mädchens schuldig zu sehen als einen raffiniert agierenden Kinderschänder? Ist eine schockierende Wahrheit leichter zu verdauen als ein ungeklärter Kriminalfall?
Wie kommt es, dass 90% der Songs auf meinem iPod mich nicht interessieren? Galt das auch schon früher für meine CD-Sammlung? Oder ganz ganzfrüher für meine Plattensammlung? Hat sich einfach mehr Schrott bei mir eingenistet oder ist man ab einem gewissen Alter einfach übersättigt, weil man alles schon mal irgendwie gehört hat?
Oder ist es die Möglichkeit, prinzipiell alles haben und hören zu können, dieser Mangel an Schranken, der mich langweilt? Sollte ich also verknappen, um wieder geniessen zu können, wegschmeissen, um mich aus dem Überdruss zu befreien?
Ist es sowieso nicht viel natürlicher – statt sich sein Leben lang eine ständig wachsende Musiksammlung gleichmässig einzuflössen -, ein Lied oder ein Album drei Wochen lang täglich bis zur Verblödung zu hören und dann nie wieder (mein Söhnchen macht das so, ich früher auch)? Ist es nicht diese Verknüpfung zwischen Musik und zeitlich einordenbarer Ereignisse, die unverwechselbare Erinnerungen produzieren und das Leben ein wenig markiert und vertieft?
Sport wird von Verhaltensforschern ja gerne als Ersatz für Kriegshandlungen bezeichnet.
Wenn also Sportler verhinderte Krieger sind, sind dann die dopenden Radfahrer, Gewichtheber oder Leichtathleten, die so ehrenhafter- wie sinnloserweise ihre Körper für ihren Sport opfern, sind die dann sozusagen die verhinderten Selbstmordkrieger unserer Gesellschaft?
Die Wirkung aller Medikamente basiert zu einem Grossteil (bei homöopathischen Medikamenten möglicherweise sogar ausschliesslich) auf dem sogenannten Placebo-Effekt, das heisst sie beruht auf einer Art Selbstheilung des Patienten – bestärkt durch die Idee, dass das Medikament helfen wird.
Funktioniert der Placebo-Effekt auch noch, wenn ich über ihn Bescheid weiss? Und wenn nicht: gehört dann nicht die Aufklärung über den Placebo-Effekt verboten? Kann also die Wahrheit der Gesundheit schaden? Sollten Ärzte im Interesse der Gesundheit ihren Patienten falsche Tatsachen vorspiegeln?