Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht (Erich Kästner)

Foto-Projekt: Augen in der Gross-Stadt

In An Manche on November 6, 2009 at 10:18

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Vor ein paar Wochen hatte ich den Vorschlag gemacht und paleica hat ja freundlicherweise schon die Werbetrommel gerührt, nun wird es bald ernst: das Foto-Projekt „Augen in der Gross-Stadt“.

Idee: die Idee ist, das Gedicht „Augen in der Gross-Stadt„ von Kurt Tucholsky zu visualisieren. Jeder Teilnehmer möge sich vom Gedicht inspirieren lassen und ein Foto, ein Bild oder eine Collage beisteuern. Die Beiträge werden dann zu einem Video zusammengeschnitten und mit meiner Vertonung des Gedichts unterlegt.

Regeln:

  • Teilnahmezeitraum: 11.11.09 bis 12.12.09. Ich hoffe, das Video spätestens zu Weihnachten fertig zu haben
  • Wer mitmachen will, kann sein Bild entweder auf seinem Blog (oder Flickr oder Community-Stream) veröffentlichen und von dort diesen Beitrag hier verlinken, mir das Bild oder den Link direkt per Mail schicken (frageblog[at]gmail[dot]com) oder einfach einen Kommentar mit Link hinterlassen
  • Das Bild sollte das Format: 500×333 haben
  • Ich werde die Bilder auch als Thumbnails in diesen Beitrag hier einbinden, damit jeder eine Idee vom Fortgang des Projekts hat
  • Ich habe nichts gegen Mehrfach-Einsendungen. Wenn unerwarteterweise zu viele Bilder eingesendet werden, mache ich halt einen zweiten Film
  • Die Bilder werden von mir natürlich nur für dieses eine Projekt benutzt
  • Da mehrmals danach gefragt wurde, habe ich ein kleines Logo gebastelt, um dem Projekt ein Gesicht zu geben, es ist ganz oben in diesem Beitrag
  • Und nein: man muss nicht in einer Gross-Stadt leben, um mitzumachen. Aber man braucht wahrscheinlich ein Paar Augen ;-)

Wenn es noch Fragen oder Verbesserungsvorschläge gibt, nur her damit!

Hier die Vertonung:


Der aktuelle Stand:

 

Grenzt zunehmende Technologisierung ältere Menschen aus?

In An Manche on November 3, 2009 at 11:36

…fragte ich auf Twitter und war mitten in einer Diskussion mit Hannelore, die wir dann über E-Mail weiterführten. Hier ist der Wortlaut. Weitere Stimmen erwünscht!

FZ: Ist es für ältere Menschen einfacher, in einer technologisierten Welt zu leben, oder werden sie vielmehr ausgegrenzt? http://bit.ly/4daGih

HV: ältere Menschen grenzen sich wenn, dann selber aus #technologie an sich grenzt ja keinen aus

FZ: @hvonier wenn die neue Technik schwer zu verstehen oder zu lernen ist, dann besteht die Gefahr einer Ausgrenzung (nicht nur Älterer)

HV: Ist Technik schwerer zu verstehen/zu erlernen als irgendetwas anderes, das man lernen will?

FZ: Ja, ab einem gewissen Grad. Banküberweisung übers Internet – sollte das auch ein 80jähriger noch lernen müssen?

HV: Was unterscheidet den Schwierigkeitsgrad einer Online-Überweisung von Email oder Online-Shopping?

FZ: Man kann ohne Email leben. Aber man muss einkaufen und über sein Geld verfügen können. Wenn man *nur noch* über das Internet einkaufen könnte oder sein Bankkonto verfügen könnte, besteht die Gefahr der Ausgrenzung einer Generation bzw des Aufzwingens von Technik.

HV: In meiner Community haben alle Älteren Email, um Kontakt mit ihren Kindern, Enkeln oder Schulfreunden zu halten. Sie nutzen auch online-Services, um Fotos und Videos auszutauschen. Facebook ist für Senioren ideal, um nicht isoliert zu sein. Ist diese Technik nicht gerade für alte Menschen bereichernd und erleichternd? (Ich war übrigens seit 15 Jahren in keiner Bankfiliale mehr.)

FZ: Ohne Zögern: ja. Sie kann gerade alte Menschen aus der Isolation herausholen. Aber: nicht jeder ist in der Lage, dem Fortschritt zu folgen, der sich im letzten Jahrzehnt immer weiter beschleunigt hat. Muss man von den älteren Menschen erwarten, dass sie sich dem Fortschritt anpassen? Oder sollte man ihnen  (zumindest für eine Übergangszeit) die Wahl lassen? Ich meine, man sollte (und das hiesse dann zum Beispiel auch, einen Briefkasten in jedem Ort).

HV: Erstmal: wen meinst du hier mit „man“? Wenn niemand mehr Papier verwendet, um Infos zu verbreiten, dann ist die Post überflüssig, genauso wie einst die Poststationen zum Pferdewechseln. Es gibt Menschen, die meinen mit 25 Jahren „ausgelernt“ zu haben und glauben, das Leben wäre statisch. Andere lernen, was gerade Neues in der Gegenwart geschieht. Sie sind up-to-date, egal wie alt sie sind.

FZ: Es gibt nunmal viele Menschen, die können oder wollen (beides bedingt einander) ihr Leben ab einem gewissen Punkt nicht mehr ändern oder sich mit Dingen auseinandersetzen, die nicht in ihr Weltbild passen. Nach meiner Erfahrung sind das sogar die allermeisten. Irgendwann werden die Briefkästen verschwinden. Aber ich finde, wir sollten sie nicht abbauen, bevor nicht die letzte Oma verschwunden ist, die ihren Nichten Weihnachtskarten schickt ;-)

FZ: Es gibt aber noch einen anderen Aspekt des Themas, der in dem Artikel oben anklingt: die Erfahrungen, die Menschen in ihrem Berufsleben machen, werden schon nach wenigen Jahren nutzlos, weil immer neue Technologien die alten ablösen.

HV: Es findet momentan nicht nur ein technologischer, sondern auch ein großartiger sozialer Wandel statt. Die Menschen erschaffen sich neue Technologien, weil sie genug haben von Gewalt und Krieg. Sie wollen Harmonie, sich mit anderen wohl fühlen anstatt im Dauerwettstreit zu liegen. Der Druck, der Fremdbestimmtheit zu entkommen, und Selbstbestimmung zu erlangen ist enorm. Das Internet zeigt, wie nie etwas anderes zuvor: Es geht, soziales Handeln lässt sich in Realität umsetzen und niemand kann das stoppen. Auf den Beruf bezogen, oder besser Berufung, bedeutet das: Ich definiere meine Job-Description selbst. Leute im Ruhestand müssen das – und vieles andere – gar nicht mehr lernen. Aber beim nochmaligen Durchlesen des Artikels kommt mir der Gedanke: Können nicht gerade ältere  Menschen den Facettenreichtum des Web ausgiebiger nutzen, weil sie über Erfahrungen verfügen, die ihnen im virtuellen Raum des Net eine große Flexibilität erlaubt?

Die Diskussion begann – wie so oft – mit einer Frage. Das gefällt mir. Und sie endet – wie so oft – mit einer Frage. Das gefällt mir auch. Aber sie ist natürlich auch noch nicht zu Ende – und auch das gefällt mir.

Tucholsky – Lied fürs Grammophon

In Lieder on Oktober 29, 2009 at 9:33

Foto: bas:il

Wenn die eigene Liebe nicht erwidert wird, wenn der blosse Gedanke an das Lächeln der Angebeteten alle Sinneseindrücke überschattet, wenn der Mond da oben und die Welt so blue ist, wenn der blasse Nebenbuhler den Hauptgewinn nach Hause trägt, dann hat sich eine Geschichte zum Millardsten Male wiederholt. Das alte Lied. Die alte Platte. Zum x-sten Male. Ein Lied fürs Grammophon:

[Download]

(Text: K.Tucholsky, Musik: M.Jung)

Das Lied steht unter Creativ-Commons-Lizenz. Bearbeitung und Verbreitung  ausdrücklich erwünscht! Mehr Tucholsky-Vertonungen hier.


Lied fürs Grammophon
Gib mir deine Hand,
Lucindy!
Du, im fernen Land –
Lucindy!
Wie die Ätherwellen flitzen
über Drähte, wo die Raben sitzen,
saust meine Liebe dir zu …
du –
tu – tu – tu – mmm –
Wenn du mich liebst, so singt dein Blut,
Lucindy!
Ach, wenn du nicht da bist, bin ich dir so gut,
Lucindy!
Dein, dein Lächeln läßt mir keine Ruh …
Man kann von oben lächeln,
man kann von unten lächeln,
man kann daneben lächeln –
wie lächelst du?
tu – tu – tu – mmm –
Meine, die will mich verlassen,
Lucindy!
Deiner, der will dich fassen,
Lucindy!
Kehr zu ihm zurück!
Vielleicht ist das das Glück …
Ich guck in den Mond immerzu –
oh, so blue – mmm –
Wie man auch setzt im Leben,
Lucindy!
man tippt doch immer daneben,
Lucindy!
Wir sitzen mit unsern Gefühlen
meistens zwischen zwei Stühlen –
und was bleibt, ist des Herzens Ironie …
Lucindy!
Lucindy!
Lucindy –!
(Kurt Tucholsky, 1929)