Jung sein!

Mai 13, 2008

Da man mit zunehmendem Alter Gefahr läuft, seltsame Gewohnheiten anzunehmen (z.B. knipse ich seit ein paar Jahren Fotos, eine Eigenart, die ich früher nie hatte), lese ich alle paar Jahre die Worte von General MacArthur über das Jungsein. Ob das hilft, die schlimmsten geistigen Verkrustungen zu verhindern?

Jung sein!
Die Jugend kennzeichnet nicht einen Lebensabschnitt, sondern eine Geisteshaltung:
Sie ist Ausdruck des Willens,
der Vorstellungskraft und der Gefühlsintensität.
Sie bedeutet Sieg des Mutes über die Mutlosigkeit
Sieg der Abenteuerlust über den Hang zur Bequemlichkeit.
Man wird nicht alt,
weil man eine gewisse Anzahl Jahre gelebt hat:
Man wird alt, wenn man seine Ideale aufgibt.

Die Jahre zeichnen zwar die Haut -
Ideale aufgeben aber zeichnet die Seele.
Vorurteile, Zweifel, Befürchtungen
und Hoffnungslosigkeit sind Feinde,
die uns nach und nach zur Erde niederdrücken
und uns schon vor dem Tod zu Staub werden lassen.

Jung ist,
wer noch staunen und sich begeistern kann.
Wer noch wie ein unersättliches Kind fragt:
Und dann?
Wer die Ereignisse herausfordert
und sich freut am Spiel des Lebens.

Ihr seid so jung wie euer Glaube.

So alt wie eure Zweifel.
So jung wie euer Selbstvertrauen.
So jung wie eure Hoffnung.
So alt wie eure Niedergeschlagenheit.

Ihr werdet jung bleiben,
so lange ihr aufnahmebereit bleibt:
Empfänglich für’s Schöne. Gute und Große;
empfänglich für die Botschaften der Natur,
der Mitmenschen, des Unfasslichen.

Sollte eines Tages
euer Herz geätzt werden von Pessimismus.
zernagt von Zynismus,
dann möge Gott Erbarmen haben mit eurer Seele -
der Seele eines Greises.

(Douglas Mac Arthur, 1945)


Offene Fragen der Woche (9)

Mai 10, 2008

Abmahnungen und Standorte

Mai 9, 2008

Warum werden Entscheidungen um Urheberrechts-, Persönlichkeitsrechts- und Markenrechtsverletzungen so oft vom Landgericht Hamburg getroffen? Auch im Presserecht (aktueller Fall) fallen die Urteile oft in Hamburg.

Wie ist es möglich, dass ein abmahnender Rechtsanwalt den Gerichtsstandort wählen darf? Ist das nicht eine massive Aushöhlung des Rechtsstaats, wenn ein Kläger seinen Richter wählen darf, dessen grundsätzliche Einstellung er bereits kennt?

Warum wird - wenn sich beide Parteien nicht auf einen Standort einigen können - nicht einfach gelost?


Ein paar Links:


Mit Software die Welt verbessern

Mai 8, 2008

Farbpunkte

[Foto: Creativity+ Timothy K Hamilton]

Wenn ich Zeit hätte, eine Software zu schreiben, um die Welt zu verbessern, die allen nützt, mich nicht reich macht, sondern ein gravierendes Problem unserer Gesellschaft löst oder zumindest vielen Menschen hilft - dann würde ich, dann könnte ich, dann weiss ich nichts, mir fällt nichts ein. Kann man überhaupt mit Software die Welt verbessern?


Klassentreffen - Antworten?

Mai 6, 2008

Ich komme gerade aus Deutschland zurück, wo ich am Abi-Treffen zum zwanzigjährigen Jubiläum teilnahm. Leider kamen nur etwa 30 Leute (von den 150 unseres Jahrgangs). Warum kommt jemand? Warum nicht? Was erwartet jemand von einem solchen Treffen? Ich kann die Fragen selbst für mich nicht recht beantworten. Neugier trifft die Sache wohl am besten. Einen Grossteil der Abwesenden würde ich mal schlechter Organisation zuschreiben - zu kurzfristig, zu halbherzig. Es mag aber wohl auch Leute geben, die mit ihrer Vergangenheit nichts mehr zu tun haben wollen, einen Anfall von Melancholie befürchten oder sich für ihr bisheriges Leben nicht rechtfertigen wollen (die FR hat letztens übrigens einen Artikel über die Psychologie von Klassentreffen veröffentlicht).

Was also hat das Treffen mir persönlich gebracht? Einen lustigen Abend, viele kurzweilige Gespräche und die Ahnung, dass es tatsächlich etwas gibt, was unsere Generation verbindet. Wir sind eine Generation zwischen den Idealisten der Siebziger und den Pragmatikern der Neunziger. Aufgewachsen in den letzten Zügen eines grenzenlosen und sorgenlosen Optimismus, ohne grosse Träume, Ziele und Pläne, aber mit Vertrauen darauf, dass alles irgendwie gut geht. Den zunehmenden Materialismus und das Karriere- und Elitedenken erfüllt uns mit einer gewissen Abscheu. Aber die Kraft, dem etwas entgegenzustellen, die haben wir nie entwickelt.  Grosses kann man mit uns nicht bewegen. Und so ist auch aus niemandem etwas Grosses geworden. Aber grosse Theorien bei einem Glas Bier um drei Uhr morgens, dafür reicht es immer noch, auch zwanzig Jahre nach dem Abi.


Nestor über Schüchternheit

April 30, 2008

Schüchtern

[Foto: _boris]

Mein Freund Nestor sagte: stehe zu deiner Schüchternheit. Wenn du deine Schüchternheit zu bekämpfen versuchst, beraubst du dich deiner Stärke. Schlimmer, du entfernst dich von dir selbst. Und du wirst nicht die Freunde und Frauen finden, die zu dir passen, die sich durch deine Schüchternheit angezogen fühlen.

Das ist zwölf Jahre her. Und ich weiss immer noch nicht, was ich davon halten soll.


Gegenfragen zur Aufmerksamkeitsökonomie

April 28, 2008

Aufmerksamkeit

[Foto: frischmilch]

Ist Aufmerksamkeit dabei, Geld als Währung der Wirtschaft abzulösen? Vor ein paar Monaten hatte ich dazu schon einige Fragen gestellt. Hier ein paar Gegenfragen:

  • Ist Aufmerksamkeit heute denn wirklich wichtiger und auch leichter zu monetarisieren als vor 30 Jahren?
  • Ist Aufmerksamkeit denn nicht viel zu kurzlebig und flüchtig, um Grundlage einer Ökonomie sein zu können?
  • Aufmerksamkeit wurde seither durch Filter und Aggregatoren gelenkt. Bei begrenzter Aufmerksamkeit und mehr Informationen mag diese Funktion noch wichtiger werden. Aber was ändert sich substantiell, ausser dass die Filter verteilter und dynamischer werden könnten?
  • Auch wenn es unübersehbar wird, dass das Ringen um Aufmerksamkeit wichtiger geworden ist: ist es wirklich mehr als nur eine Nischenstrategie für diejenigen, die die Marktwirtschaft zurücklässt?
  • Ist Aufmerksamkeit nicht einfach nur Mittel zum Zweck - nämlich Produziertes zu verkaufen - also nicht mehr als ein Instrument der klassischen Marktwirtschaft? Oder bestenfalls eine Unterdisziplin?
  • Ist Geld nicht immer noch das stärkste Instrument, um Aufmerksamkeit zu erlangen? Gibt es irgendwelche Anzeichen, dass sich das geändert hätte?
  • Ignoriert das Konstrukt einer Aufmerksamkeitsökonomie nicht die elementaren Bedürfnisse von 80% der Erdbevölkerung? Kann eine Aufmerksamkeitsökonomie überhaupt global sein?

Siehe auch Aufmerksamkeit statt Geld


Zitat (J. Thurber)

April 27, 2008

“Es ist besser, ein paar Fragen zu stellen als alle Antworten zu kennen.” (James Thurber)


Offene Fragen der Woche (8)

April 26, 2008

Wetteranalysten und Börseologen

April 25, 2008

Blick in die Zukunft

[Foto: Isobel T]

Jemand, der sich öffentlich hinstellt und mit pseudo-logischen Argumenten zu begründen versucht, warum er glaubt, dass im nächsten Jahr die Niederschlagsmenge bei soundsoviel Milliliter liegen wird oder die Durchschnittstemperatur im nächsten Januar bei 1.3 Grad, wird zurecht als unseriöser Kaffeeleser diskreditiert (über die Zuverlässigkeit von Wettervorhersagen gibt es übrigens einen Artikel bei Freakonomics).

Aber jemand, der das gleiche mit Börsen- und Wechselkursen oder konjunkturellen Daten und Branchenentwicklungen tut, der sich dabei sogar von Dart-werfenden Affen in seinen Vorhersagen besiegen lassen muss, der kann damit viel Geld verdienen.

Warum also hört man den Börsenanalysten so genau zu? Ist das hier ein Schritt zur Normalisierung?